Künstliche Intelligenz: Konkurrenz oder Kolleg:in?
Zurzeit bekommen wir alle mit, dass sich das, was sich künstliche Intelligenz nennt respektive so genannt wird, ziemlich schnell weiterentwickelt. Die einen begrüssen das, die anderen haben Angst. Die einen sehen fast nur Vorteile, die anderen fast nur Nachteile. Besonders viele haben Angst davor, wegen künstlicher Intelligenz die Arbeit zu verlieren. Das ist keineswegs unrealistisch und eine sehr unangenehme Vorstellung.
Als Trainer und Coach sehen wir das pragmatischer. Kein Zweifel: künstliche Intelligenz, oder genauer: ihre Ausprägungen wie Chat GPT, Deepseek, usw. sind eine Realität, mit der wir uns wohl oder übel anfreunden oder abfinden müssen. Die Geschichte zeigt: es hat noch nie etwas gebracht, solche Entwicklungen zu bekämpfen. Was entwickelt werden kann, wird entwickelt. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Und es gilt auch für uns von Thinkeagle die Frage, ob künstliche Intelligenz für uns von Nachteil ist?
Neulich hat eine Schweizer Sportlerin Furore gemacht mit ihren sportlichen Leistungen – sie wurde Zweite beim Zürich Marathon 2025. Das ist bewundernswert. Die Blickschlagzeile dazu war’s weniger: «Ronja Hofstetter (22) wird dank Chat GPT zum Laufwunder». Abgesehen davon, dass das fachlich schlicht falsch ist. Wenn sie ein Laufwunder war, dann sicher nicht wegen Chat GPT, sondern weil sie ein unglaubliches Talent hat. Schon wahr, Chat GPT lieferte ihr die Trainingspläne, um eine wunderbare Laufzeit abzuliefern. Aber eben, Laufen musste sie selbst.
Wie dem auch sei, was uns mehr interessiert, sind die wundersamen Pläne. Im Gespräch mit dem Blick sagt sie nämlich sinngemäss: «… all diese Onlinepläne, die es gibt, waren irgendwie nichts für mich, und ich hatte echt keine Ahnung, wie man trainieren sollte». Deshalb fragte sie Chat GPT. Dass sie schon vor Chat GPT eine hochtalentierte Läuferin war, zeigte sie, als sie bei einem Wings for Life Run teilnahm und auf Anhieb und ohne Training (so steht’s im Blick) 44 km lief, ehe sie vom Catcher Car eingeholt wurde. Das ist, mit Verlaub, wirklich unglaublich respektive ein Wunder. Daraufhin wollte sie ein wenig Systematik ins Training bringen, setzte dabei wie gesagt nicht auf Online-Pläne, sondern auf Chat GPT – das sein «Wissen» aus Online-Plänen bezieht, sei’s gesagt so nebenbei – und rennt an die Spitze.
Wieso mich das beschäftigt? Irgendwie sind sowohl Online-Pläne als auch Chat GPT eine Art Konkurrenz. Die liefern Trainingspläne, wir auch. Aber die verlangen keinen Rappen dafür, wir schon. Und wie Ronja Hofstetter zeigte, scheinen die Pläne auch was zu taugen. Zumal für Ronja Hofstetter. Und sicher auch für einige andere.
Weshalb um Himmels Willen sollte man also uns konsultieren?
Wir haben eine Stärke: wir sind Menschen – und als solche treten wir in Beziehung zu unseren Sportler:innen. Wir reagieren nicht künstlich, sondern menschlich. Wir begleiten sie an Wettkämpfe oder beim Training, was Chat GPT erwiesenermassen nicht kann. Wir organisieren das notwendige Rüstzeug für den Lieblingssport, ob physisch oder psychisch. Wir leiden mit, wenn’s nicht so läuft, um danach gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Und wir können mit unseren Sportlerinnen und Sportlern laut lachen, sei’s über gelungene Witze, sei’s über uns selbst. Wir versprechen nichts, ausser: unsere Trainingspläne beruhen weder auf Chat GPT noch auf online abrufbaren pfannenfertigen Wunderrezepten. Im Gegenteil: alles handgemacht. So gesehen sind Chat GPT und andere künstliche Coaches keine Konkurrenten, sondern Kolleg:innen.
Autor: Claude Ramme
Blog-Foto von Cash Macanaya